Brigitte Moshammer-Peter psychotherapie

Treue

Sexuelle Treue gibt, wie wenig Anderes, ein Gefühl von Exklusivität und Einzigartigkeit für den oder die Partner*in. Die Gewissheit, dass jemand Anderer für den oder die Partner*in sexuell vielleicht sogar attraktiver ist, als man selbst, ist ein massiver Angriff auf den Selbstwert. Man fühlt sich verraten, hintergangen und erlebt eine Verletzung der Loyalität.

Als ob das noch nicht genug wäre, kommt dazu noch die soziale Verletzung. Nicht selten empfindet der oder die Betrogene Scham und ist darüber hinaus dem Spott Anderer ausgesetzt, was sich in Ausdrücken, wie z. B. „der Gehörnte“ zeigt.

Sexuelle Treue gibt Sicherheit und fördert das Gefühl der Zugehörigkeit. Man teilt etwas Besonderes, das nur exklusiv zwischen diesen beiden Personen stattfindet.

Treue kann auf Dauer aber auch einen hohen Preis fordern, sie bedeutet möglicherweise einen schwerwiegenden Verzicht. Für Manche entstehen durch sexuelle Treue Gefühle von Stagnation oder Unlebendigkeit. Mit diesem Unbehagen umzugehen bedeutet mitunter einen beträchtlichen emotionalen Aufwand. Untreue aber verletzt und ist ohne Lügenkonstrukte kaum durchführbar.

Sex außerhalb der festen Beziehung

Für Sex außerhalb der festen Beziehung gibt es eine Vielzahl von Ausdrücken: Untreue, Fremdgehen, Liebschaft, Außenbeziehung, Seitensprung, Affäre,....

Als Untreue wird üblicherweise jedes Hintergehen des Partners oder der Partnerin beschrieben. Dabei ist es oft nicht einmal wichtig, ob Sex stattgefunden hat, sondern es genügt meist schon die emotionale Hinwendung zu einer anderen Person.

Mit Fremdgehen ist jeder Sex abseits der primären Beziehung gemeint, egal ob es sich um ein einmaliges Ereignis oder eine Parallelbeziehung handelt.

Die entscheidendste Unterscheidung ist wohl die zwischen einem Seitensprung, also einem sehr kurzfristigen Ereignis und einer Außen- oder Parallelbeziehung, die oft über viele Jahre, manchmal sogar das ganze Leben über andauern kann.

In der Affäre wird der Unterschied zu dem was vorhanden und bekannt ist gesucht. Nicht zwingend hat das mit Unzufriedenheit in der primären Beziehung zu tun. Eine Affäre ist spannend und aufregend. Es gibt keinen belastenden und langweiligen Alltag. So wird jedes Treffen zu etwas Besonderem, das außerhalb des Beziehungsalltags liegt.

Manchmal hat Sex außerhalb der Beziehung aber auch ganz andere Gründe. Er kann sich aus einer bestimmten Situation ergeben oder manchmal ist die erotische Neugierde auf eine bestimmte Person so groß, dass sie nicht zurückgehalten werden kann.

Viele Affären beginnen mit der Vorgabe, dass es „nur“ Sex sei. Geplant sind unverbindliche Treffen ohne Ansprüche an einander. Mitunter kann das auch funktionieren, oft aber verlieben sich die Akteur*innen. Affären existieren neben dem Alltag, versprechen Aufregung und Abwechslung. Im Vordergrund steht nicht die gemeinsame Organisation des Alltags, sondern gemeinsamer Genuss und Abenteuer. Erotik und Liebe sind zwar nicht ein und dasselbe, aber regelmäßiger gemeinsamer Sex bringt fast zwangsläufig Gefühle der Vertrautheit und Nähe mit sich, schon allein deshalb, weil bei jedem Orgasmus das so genannte „Bindungshormon“ Oxidocin ausgeschüttet wird und der Kraft der Hormone kann sich kaum jemand entziehen.

Die Gründe fürs Fremdgehen sind also vielfältig, all diesen Möglichkeiten ist aber Eines gemeinsam: Wenn der Betrug auffliegt tut es weh und die Entscheidung über das Fremdgehen liegt immer bei der Person, die fremdgegangen ist, der oder die Betrogene hat NIEMALS die Verantwortung dafür.

Dabei stellt sich die Frage, ob eine Affäre je „harmlos“ sein kann. Eine Affäre bleibt immer ein Risiko, denn niemand weiß, wie sie ausgeht und sie verletzen in den allermeisten Fällen. Oftmals wird durch eine Affäre nicht nur der oder die Betrogene, sondern auch der oder die Geliebte und allermeistens der oder die Fremdgeher*in selbst verletzt.

Besonders in der Endphase von Beziehungen, ist der Beginn einer neuen Partnerschaft ein mögliches Ausstiegsszenario. Dabei wäre aber die Affäre nicht die Gefahr, sondern nur noch das letzte Kapitel einer ohnehin schon kaputten Beziehung.

Nach dem Offenlegen einer Affäre befindet sich der oder die Betrogene in einem regelrechten Schockzustand. Die Gefühle fahren Achterbahn und ein Mix aus Ohnmacht, Trauer, Wut und Verzweiflung macht sich breit. Dennoch ist es möglich, die Beziehung weiter zu führen und das mitunter sogar besser als vorher.

Was klar sein muss ist, dass es in Beziehungen nie ein zurück an den Anfang oder zu einem früheren Zeitpunkt gibt, es geht immer nur vorwärts. Es ist nur eine Neuorientierung in der Beziehung möglich.

Verzeihen

Wirkliches Verzeihen braucht Zeit und es braucht auch die Bereitschaft, die Verletzung los zu lassen. Versöhnung- oder Wiedergutmachungsrituale können dabei hilfreich sein. Der oder die Fremdgänger*in muss die Verletzung spürbar anerkennen und einen Ausgleich dafür bieten, der dem Grad der Verletzung entspricht.

Vor Allem müssen beide Partner*innen die Versöhnung wirklich wollen und dann braucht es Zeit und viel Geduld, denn Vertrauen ist etwas, das zwar schnell zerstört ist, aber nur sehr, sehr langsam wieder wächst.

Vertrauen

Nur wer in keiner fixen Beziehung lebt, kann 100-prozentig sicher sein, nicht betrogen zu werden. Versuchungen gibt es immer wieder.

Viele versuchen, den oder die Partner*in durch umfassende Kontrolle zur Treue zu zwingen. Das ist ein sehr riskantes Unterfangen und bringt keine Garantie dafür, nicht hintergangen zu werden. Die Fehlerquellen sind vielfältig und meist fördert übermäßige Kontrolle nur die Phantasie des oder der Fremdgänger*in oder treibt ihn oder sie durch ein immer stärkeres Gefühl der Einengung erst recht in eine Liebschaft.