Brigitte Moshammer-Peter aktuelles

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Artikel aktualisiert 16.6.2009 Brigitte Moshammer-Peter ist Sexual- und Psychotherapeutin in Hietzing. Sie weiß: Auf Personen mit Erektionsstörungen lastet oft ungemeiner Druck.

 

Sexualtherapeutin
„Da muss man den Druck rausnehmen"

Brigitte Moshammer-Peter ist Sexual- und Psychotherapeutin in Hietzing. Sie weiß: Auf Personen mit Erektionsstörungen lastet oft ungemeiner Druck.

wienweb.at: Wie helfen Sie Männern, die unter vorzeitigem Samenerguss leiden?

Moshammer-Peter: Ich frage, was ist die Ursache? Besteht diese Störung schon immer, oder ist es etwas, dass erst in der Beziehung entstanden ist. Ist der Mann zu aufgeregt? Ist der Druck zu groß? Ist es Versagensangst? Hat er Stress? Man merkt, dass Männer, die unter vorzeitigem Samenerguss leiden, auch sonst unter Druck stehen. Beim ersten Vorgespräch reden sie zum Beispiel wahnsinnig schnell. Da merkt man gleich: Der ist so wie ein Druckkochtopf. Und dieser Druck entlädt sich dann auch vorzeitig beim Sex. Da gilt es dann Druck rauszunehmen.

Es kann aber jedem einmal passieren. Wenn der Mann besonders aufgeregt ist und die Frau besonders erregend findet, kann das schon mal passieren, dass er früher kommt. Wenn es aber so gut wie immer passiert, oder bei einem erwachsenen Mann plötzlich auftritt und über einen Zeitraum von etwa drei Monaten anhält, dann ist es ein Problem.

wienweb.at: Was sind die Ursachen?

Moshammer-Peter: Sexualität wird im Moment in den Medien und auch in der Gesellschaft ungemein gehypt. Vor allem geht es um Leistung. Das Tabu ist heute nicht mehr besonders wilder oder ausgefallener Sex. Das wahre Tabu wird zunehmend der ganz normale 0815-Sex. Sagen wir - Sex wie Zähneputzen. Man will halt auch nur mal Sex, damit Frieden in der Hosen ist. Aber gerade das ist tabuisiert. Es muss immer toller immer aufregender sein. Und das setzt natürlich Männer wie Frauen unheimlich unter Druck.

wienweb.at: Was macht die Wiener in puncto Sex sonst noch unzufrieden?

Moshammer-Peter: Erektionsstörungen sind bei Männern sicher ein Thema, weil es auch eine Unzufriedenheit mit den angebotenen Medikamenten gibt. Kopfschmerzen bei der Einnahme von Viagra zum Beispiel. Viele wollen sie auch nicht einnehmen, weil es für sie ein Zugeständnis bedeutet, dass sie es wirklich nicht können. Lustlosigkeit kommt auch bei Männern vor. Gerade bei großem Stress. Oder wenn's in der Paarsituation nicht klappt. Frauen kommen übrigens eher, um sich Hilfe zu holen. Männern ist das oft peinlich.