Brigitte Moshammer-Peter aktuelles
Darf man während des Liebesspiels telefonieren? Ist ein virtueller Flirt Betrug? Und was tut man nach dem Sex? - Diese und andere Fragen versucht ein Lust-Leitfaden zu beantworten. WOMAN prüft die triebhaften Thesen.
Soll die manierliche Liebhaberin nun das Licht brennen lassen, wenn sie ihren Liebsten verführen will? Wie gibt man eigentlich einem Kerl wohlerzogen zu verstehen, dass er doch bitte ein Präservativ verwenden möge? Und ist man eine „Schlampe", wenn man mit verschiedenen Männern verkehrt? - Auf diese und andere brennende Anstandsfragen gibt die deutsche Autorin Birgit Querengäßer in ihrem Koitus-Kompendium „Die feine Art des Vögelns" (Klett-Cotta, € 15,40) unverfroren recht überraschende Antworten.

Gutes Benehmen ist beim Sex 2.0 scheinbar gefragt! Die Autorin durchleuchtet daher die Künste der Verführung, geht möglichen Hürden beim Geschlechtsverkehr auf den Grund und stellt für jede Liebeslage zeitgemäße Benimmregeln des angemessenen Triebverhaltens auf.
Sehr schräg, durchaus direkt und nicht immer ganz ernst gemeint. „Das Buch hat gute Rezensionen, dennoch fürchte ich, dass sich der Humor der Autorin nicht jedem erschließt und mancher die Tipps nur allzu ernst nehmen könnte", resümiert WOMAN-Sexpertin Brigitte Moshammer (www.

psychotherapeutin.cc). Wir haben die ausgefallensten Lust-Manieren in verkürzter Frage-Antwort-Form unserer Sexpertin zum Check vorgelegt. Denn: Wollten wir nicht immer schon wissen, wohin man während des Oralverkehrs schauen sollte oder in welchen Situationen das Schäferstündchen besser zu beenden ist? Eben.

Frage 1: In welchen Situationen ist der Abbruch des Beischlafs anzuraten?
Das sagt das Buch:
Wenn nicht abzusehen ist, dass der Partner in der nächsten halben Stunde zum Höhepunkt kommt. Oder die Partnerin während des Verkehrs einen anderen Namen stöhnt.
Das sagt unsere Expertin: Warum spezielle Situationen anführen? Für den Verkehrs-Stopp gilt eine einzige Regel: Wenn es für einen der Akteure nicht mehr passt oder gar keinen Spaß mehr macht.

Frage 2: Wie bringe ich meinen Partner dazu, ein Präservativ zu verwenden?
Das sagt das Buch:
Viele Männer halten die Risiken der Fortpflanzung und jene der Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten für kalkulierbar. Frauen sind verantwortungsbewusster. Lassen Sie während des Dirty Talks also Worte wie „Vaterschaftstest" und „Alimente" fallen.
Das sagt unsere Expertin: Es kann nicht oft genug erwähnt werden: Das Kondom ist bei unverbindlichem Sex unerlässlich! Um den Liebsten dazu zu bringen, das gute Stück überzuziehen, sind abtörnende Kommentare aber ungünstig. Vielmehr ist ein wenig Fingerfertigkeit erforderlich - dann kann schon das „Anlegen" Teil des Vorspiels sein.

Frage 3: Darf ich während des Sex ans Telefon gehen?
Das sagt das Buch: Im Idealfall bettet man das Stummschalten aller vorhandenen Telefongeräte bereits ins Vorspiel ein. Sollten Sie dies verabsäumt haben, ist die Annahme des Anrufs zu empfehlen. Sie haben ja auch andere Verpflichtungen. Und ist es nicht gerade Ihre Unabhängigkeit, die Sie so begehrenswert macht?
Das sagt unsere Expertin: Idealerweise ist der Sex so gut, dass das Läuten des Telefons gar nicht gehört wird! Grundsätzlich gibt es aber kaum Gründe, während des Liebesspiels ans Handy zu gehen!

Frage 4: Ich muss plötzlich mal. Darf ich während des Sex aufs Klo gehen?
Das sagt das Buch: Bevor Sie sich die Mühe machen: Fragen Sie Ihren Partner doch zuerst, ob er eine Vorliebe für „Natursekt" hat.
Das sagt unsere Expertin: Natürlich ist „Natursekt" eine Möglichkeit, aber nicht jedermanns Sache. Manche Frauen berichten auch, dass der Orgasmus mit voller Blase mitunter intensiver erlebt wird. Grundsätzlich spricht aber nichts dagegen, den Sexualakt zu unterbrechen und sich Erleichterung zu verschaffen. Je gelassener damit umgegangen wird, desto eher erhält das Liebesspiel nach der Rückkehr vielleicht sogar neue Impulse.

Frage 5: Ist Flirten im Internet Betrug am Partner?
Das sagt das Buch: Ja, vorausgesetzt, Sie haben am Anfang Ihrer Beziehung vereinbart, dass jeglicher erotische Austausch mit Individuen außerhalb der Partnerschaft, ob verbal, virtuell oder telepathisch, strengstens untersagt ist. Aber: Was erwartet er von Ihnen? Dass Sie Ihre gesamte Sexualität auf ihn fokussieren?
Das sagt unsere Expertin: Treue ist ein dehnbarer Begriff und wird sehr unterschiedlich definiert. Während für manche Cyber-Flirten kein Problem darstellt, ist es für andere eindeutiger Betrug. Moral ist im Bereich der sexuellen Treue etwas sehr Privates, das nur zwischen den betroffenen Personen vereinbart werden kann.

Frage 6: Wo soll ich beim Oralverkehr hinschauen?
Das sagt das Buch: Falls der eine vorm anderen kniet, ist Blickkontakt angebracht. Dieser signalisiert: „Ich nehme bewusst deinen intimsten Körperteil in den Mund. Mich interessiert, was du davon hältst." Geschlossene Augen lassen vermuten, Sie würden sich lieber verdrücken, während Ihr Mund die Drecksarbeit erledigt.
Das sagt unsere Expertin: Während manche Frauen es lieben, beim Oralverkehr das beste Stück des Partners zu bewundern und dadurch die Erregung zu steigern, mögen andere es, den Penis intensiv mit der Zunge zu erforschen. Ähnlich wie beim Genuss von gutem Essen schließen diese Frauen gerne die Augen. Für die Blickrichtung gibt es also keine Vorschriften. Sicher ist nur: Wer die Fellatio als „Drecksarbeit" empfindet, sollte sie besser bleiben lassen.

Frage 7: Sollte man mit dem Partner über Sexualität sprechen? Und wie?
Das sagt das Buch: Experten raten dringend zur Kommunikation, allerdings nur positiv formuliert. Erklären Sie Ihrem Partner also ungefragt, er sei ein fantastischer Liebhaber.
Das sagt unsere Expertin: Wertschätzende Kommunikation ist grundsätzlich wichtig. Noch viel mehr, wenn der eigene Sex thematisiert wird. Über seine Fantasien zu sprechen ist manchen peinlich, kann sich aber vor allem in langen Beziehungen sehr belebend auswirken.

Frage 8: Sollte während des Sex das Licht brennen?
Das sagt das Buch: Lichtquellen, die über eine brennende Kerze hinausgehen, fördern unschöne Details zutage, die nur hinderlich wären: Äderchen, Fältchen, sonstige Unebenheiten des Körpers. Völlig im Dunkeln sollte Sex aber auch nicht stattfinden, denn es macht schon Sinn, die groben Schönheitsfehler des anderen zu sehen, um eventuell die Flucht ergreifen zu können.
Das sagt unsere Expertin: In einer funktionierenden Beziehung sollte es nicht um Model-Ideale gehen, körperliche „Unebenheiten" sollten kein Hinderungsgrund für Sex sein! Zudem findet Sex nicht nur nachts statt. Für Nachtstunden gilt: Während manche sich im Schutz der Dunkelheit besser hingeben können, brauchen andere für ihre Erregung optische Reize. Wie so oft gibt es keine Dos & Don'ts, nur persönliche Vorlieben!

Frage 9: Wie bringt man seinem Partner bei, dass man in seiner Gegenwart noch nie einen Orgasmus hatte?
Das sagt das Buch: Führen Sie ihn behutsam an die Materie heran. Beispiel: Er kommt orgiastisch zuckend zum Höhepunkt. Warten Sie, bis sich Atmung und Herzfrequenz normalisiert haben. Murmeln Sie dann etwas Unverständliches wie „Ich hgabs rubsoschn Tripper", und beginnen Sie demonstrativ zu bügeln. Erst nachdem er Sie stundenlang angefleht hat, zu sagen, was los ist, teilen Sie ihm die Orgasmus-Wahrheit mit. Statt erbost wird er erleichtert sein.
Das sagt unsere Expertin: Spätestens seit dem Film „Harry und Sally" weiß jeder, dass Orgasmen häufiger vorgetäuscht werden, als man denkt: Um dem Partner das Gefühl zu geben, ein guter Lover zu sein, oder auch um unerwünschte Erotik rasch zu beenden. In jedem Fall nur die zweitbeste Lösung. Womöglich perfektioniert er dann jene Sexualpraktiken, die lediglich zum Fake-Gipfel führen! Eine Schocktherapie wie die oben angeführte ist jedoch fragwürdig. Besser: ein Gespräch über Fantasien und Vorlieben. Nur so gibt's die Chance, eines Tages wirklich zum Orgasmus zu kommen.

Frage 10: Bin ich eine Schlampe, wenn ich mit vielen Sexualpartnern schlafe?
Das sagt das Buch: Ansichtssache. Wenn Sie gerne mit vielen Menschen verkehren, aber dafür nicht schief angesehen werden wollen, sollten Sie sich mit Gleichgesinnten umgeben. Also anderen Schlampen.
Das sagt unsere Expertin: Leider gilt auch im 21. Jahrhundert bei den Frauen immer noch Zurückhaltung als erstrebenswert, während sich Männer über sexuelle Potenz definieren. Es sollte endlich anerkannt werden, dass auch Frauen sexuell interessierte Wesen sind, egal mit wie vielen Partnern.

Frage 11: Wie kann ich vermeiden, beim Sex auszusehen, als sei ich vom Teufel besessen? Schließlich möchte ich attraktiv sein.
Das sagt das Buch: Indem Sie solche Momente einfach vermeiden! Andererseits: Ist Schönheit in diesem Moment nicht etwas anderes als rein äußerliche Attraktivität?
Das sagt unsere Expertin: Stimmt. Sex ist kein Schönheitswettbewerb, sondern das pure Erleben von Lust. Die meisten Männer finden Frauen sexy, die sich leidenschaftlich hingeben können. Kritisiert ein Mann dennoch das Aussehen seiner Liebsten beim Beischlaf, hat er sie nicht verdient!

Frage 12: Was soll man nach dem Sex tun?
Das sagt das Buch: Kopulierenden wird eingebläut, nach dem Verkehr weder einzuschlafen noch ein Gespräch zu beginnen, noch zu duschen. Aus diesem Grund wurde das heitere Gesellschaftsspiel „Malefiz" erfunden, das Gesprächslust, Waschzwang oder Müdigkeit verhindert.
Das sagt unsere Expertin: Es gibt kaum eine intimere Begegnung als Sex. Um diesen innigen Kontakt würdevoll ausklingen zu lassen, sollte man sich bewusst machen, dass er nicht mit dem Orgasmus endet. Danach Malefiz zu spielen ist zwar eine gemeinsame Aktivität, bei der jedoch beide unzufrieden sein könnten. Einander halten, umarmen, kuscheln kann hingegen nie falsch sein.

Redaktion: Petra Mühr