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Sag mir Dein Geheimnis: Paare erzählen WOMAN, wie sie es mit der Ehrlichkeit halten

 

  • Beziehungen: Muss man Seitensprünge gestehen?
  • WOMAN: Wann ist die ganze Wahrheit gefordert?

 

Muss man einen Seitensprung gestehen und sogar schon den harmlosen Flirt? Wann sind Notlügen erlaubt, und wann ist die ganze Wahrheit gefordert? Vier Paare erzählten, wie sie's mit Ehrlichkeit halten.

Eigentlich war es nicht mehr wichtig, aber es ließ ihn nicht ruhen. Als sich Peter Holzer, 21, in die 20-jährige Sophie verliebte, hatte er tags zuvor ein anderes Mädchen kennen gelernt. Ein paar Tage lang datete er beide Frauen, bis er reinen Tisch machte. Aber dass er Sophie davon nichts gesagt hatte, bereitete ihm ein schlechtes Gewissen. So massiv immerhin, dass er eineinhalb Jahre später ein Geständnis ablegte. Sophie reagierte im ersten Moment total verärgert. Doch da die beiden Oberösterreicher ehrlich glücklich miteinander sind, litt die Vertrauensbasis nicht. Und die Freude, dass sich Peter damals für sie entschieden hatte, überwog.

Wie viel Sinn solche „Schneevongestern"-Bekenntnisse haben, was man seinem Partner sagen darf oder muss und wann es besser ist, zu schweigen, versuchen wir mit Paartherapeutin Brigitte Moshammer, 43, zu eruieren. Zusätzlich verraten vier Paare, wo ihre ganz persönlichen Grenzen der Aufrichtigkeit liegen. „Der Grat zwischen Offenheit
und Verletzung kann schnell überschritten sein", weiß Brigitte Moshammer. „Sich gegenseitig alles zu erzählen ist zwar ein schöner Gedanke, aber selbst in langjährigen Partnerschaften sollte man manches für sich behalten können." Dass man mit einem Fremden im Café ein bisschen geflirtet hat zum Beispiel, fällt eher in die Kategorie verschweigen. Wenn es weiter nichts bedeutet hat, warum den Partner damit beunruhigen?

Bei manchen Paaren fällt allerdings auch das schon unter den „Ehrlichkeits-Pakt". „Ob ich meinem Partner brühwarm erzähle, wenn ich jemanden attraktiv finde oder einen Flirt sofort gestehe, sollte Verhandlungssache sein", meint Expertin Moshammer. „Manche Paare halten das sehr streng, andere sind der Ansicht, man soll sich durchaus ‚Appetit holen‘. Überlegen sollte man sich vorher aber gut, ob man wissen will, wenn der Partner jemand anderen hübsch findet, oder ob man ihm oder ihr einfach vertraut, solange Grenzen nicht überschritten werden."

Seitensprung. Überlegen sollte man sich auch, was man auf die beliebte Frage „Wie viele hast du denn vor mir schon gehabt?" antwortet. Dem Partner eine lange Liste aller früheren Sexpartner aufzuzählen kann in erster Linie zu einem führen: das hehre Bild, das er bisher hatte, zu zerstören. Und um beim ersten Streit zu hören: „Ja du, du warst ja vorher auch schon kein(e) Gute(r)!" Günther Kirmer, 42, aus dem Burgenland kam noch mal davon. Auf mehrmalige Nachfrage seiner neuen Partnerin Barbara, 44, hatte er gestanden: „Ich hatte schon mehr als 20 Frauen" - und das, wo Barbara doch dachte, sie wär erst seine vierte. „Ich war richtig geschockt", gesteht sie, „aber nachdem er mir ja jeden Tag beweist, dass ich die Nummer eins bin, kann ich damit leben." Barbara ist absolute Ehrlichkeit letztlich wichtiger.

Vertrauen. „Aber es gibt ja auch bedeutungslosen Sex", will die Paartherapeutin unbedingte Offenheit nicht zum zwingenden Credo machen - und kommt zum wichtigsten Punkt: Soll man Seitensprünge beichten? „Ein einmaliges Abenteuer zu gestehen ist wohl in den meisten Fällen überflüssig", meint sie, „es wäre viel wichtiger, sich zu fragen, warum es überhaupt dazu kommt. Was fehlt mir in meiner Beziehung?" Mit dem Gestehen eines Seitensprungs wolle der „Täter" sehr oft eines erreichen: sein Gewissen erleichtern und Absolution erlangen. Wenn man allerdings das Gefühl hat, dass das Beichten des Abenteuers zur Konfliktbereinigung notwendig ist, soll man's auch so halten. „Ich würde es schon erzählen", kommt die Niederösterreicherin Kathi Proyer, 27, seit dreieinhalb Jahren mit ihrem Markus,32, zusammen, zu dem Schluss. „Denn wenn der andere fremdgeht, gibt's irgendwo Unzufriedenheiten. Das sollte man besprechen. Und ein Seitensprung muss ja nicht gleich das unumgängliche Ende der Beziehung bedeuten!" Wenn sich die Ausrutscher häufen oder eine Affäre gelebt wird, würde allein schon der Respekt vor dem Partner eine Aussprache gebieten. Denn noch schlimmer als den Betrug aus dem Munde des geliebten Menschen zu erfahren, wäre es, über Dritte draufzukommen, „alle haben es gewusst, nur ich nicht". Gut überlegen muss man sich auch, wie weit man aus einschneidenden Erlebnissen der Vergangenheit, Familie, Kinder, Krankheiten, eventuelle Süchte oder Fehltritte betreffend, „dunkle" Geheimnisse macht. Plant man mit seinem Partner eine gemeinsame Zukunft, wäre es angebrachter, die Karten auf den Tisch zu legen. Späteres Draufkommen würde vom anderen wohl als schwerer Mangel an Vertrauen bewertet werden. Was hingegen gar nicht für die Ohren des oder der Liebsten bestimmt ist, sind Geheimnisse von Dritten. „Wer dem Partner brühwarm erzählt, welches Geheimnis ihm die beste Freundin gerade anvertraut hat, befriedigt zwar ein gewisses Maß an Sensationslust, verliert aber seine Glaubwürdigkeit. Früher oder später wird ein solches Verhalten Probleme in Freundschaft und Partnerschaft bringen."

Fremdküssen. Daniela Jahn, 21, und Andreas Zeitelhofer, 23, sehen das genauso. Intime Details von Freunden behalten sie für sich. Sonst bereden die Niederösterreicherin und der Wiener so ziemlich alles. Andreas teilt seiner Freundin sogar mit, wenn ihm eine hübsche Frau ins Auge sticht. Daniela hingegen war nicht immer ganz so mitteilungsbedürftig: An einem launigen Abend in der Faschingsgilde küsste sie eine Frau - und behielt das ein Jahr lang für sich. Die Beichte erweckte in Andreas vorerst Eifersucht: „Ich sag ihr doch auch immer alles!" Da Daniela den Kuss jedoch mit ihrer famosen Feierlaune erklären konnte, nahm der technische Angestellte den Exkurs nicht weiter übel." Ein anderer Mann hätte den Ausrutscher vielleicht anders gesehen und ab sofort im Hinterkopf gehabt: Was macht sie sonst noch alles in Feierlaune ...

Notlügen. „Wie in allen Bereichen des Lebens kann man auch in Beziehungen nur zu einem ausgewogenen Maß an Ehrlichkeit raten", so Therapeutin Moshammer. „Bei harmlosen Unwahrheiten braucht man kein schlechtes Gewissen zu haben. Aber Achtung, dass Notlügen nicht überhand nehmen!" Dass der Partner zu einem „offenen Buch" wird, hält die Expertin jedoch auch nicht für ratsam. „Würde man sich vornehmen, eine Beziehung völlig ohne Geheimnisse zu leben, ginge sicher viel Spannung und Überraschung verloren. Gerade das ist aber oft der Schlüssel für eine langjährige Partnerschaft und spannenden Sex". Und wenn Sie, liebe Leserin, beim Liebemachen manchmal an Brad Pitt oder vielleicht auch an Sänger James Morrison denken, dann dürfen Sie das ganz ruhig für sich behalten ...

Redaktion: Vanessa Gruber / Petra Mühr

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