Brigitte Moshammer-Peter aktuelles

Nach Angaben von Internerbetreibern nutzen etwa 33% der User Sexportale. Der größte Teil davon sind Männer. Obwohl man das annehmen könnte, steht die Konsumation von Pornogaphie dabei aber gar nicht im Vordergund, das Internet wird vielmehr für die Anbahnung von Sexualkontakten oder tatsächlich stattfindende Sexualität mit realen Partnern, wobei die Kommunikation darüber über das Internet übertragen wird, genutzt. Der Sex im Internet ersetzt aber keineswegs den Sex im realen Leben, sondern etabliert sich zusehens als neue Form der Sexualität.

Für Jugendliche ist das Internet vermehrt eine Möglichlkeit an Informationen über Sex zu gelangen. Was für viele frühere Generationen Zeitschriften, allen voran Dr. Sommer in „Bravo" waren, ist für Teenager heute das Internet. Sosehr die Jugendlichen dadurch die Möglichkeit haben, an umfassende Informationen zu Sexualität und Verhütung zu gelangen, sosehr bietet das Internet auch Risken. Häufig haben Jugendliche Zugang zu Seiten, die weder altersgemäß sind, noch für Jugendliche geeignet und im schlimmsten Fall die Heranwachsenden mit sexueller Gewalt konfrontieren. Nicht selten werden Jugendliche durch die Nutzung von Sexportalen in der Entwicklung ihrer eigen Sexualität in der Form beeinflusst, dass weniger die eigene Lust und das Ausprobieren verschiederner Praktiken im Vordergrund steht, sondern schon die ersten Sexualkontakte zu einem Nachstellen von Pornoszenen wird, was für die Beteiligen meistens zu einem sehr enttäuschenden Erlebnis führt. Natürlich ist es von Vorteil, dass es nun relativ leicht möglich ist, sich über Veränderungen im Körper und Empfängnisverhütung zu informieren, was von vielen Jugendlichen auch genutzt wird. Aufgabe der Eltern und Erziehungberechtigten ist es dabei, die Jugendlichen vor den Gefahren des Internets, wie beispielsweise Pädosexuelle, zu warnen und den Kindern eine möglichst sichere Nutzung des Internets zu erklären. Die Sperre verschiedener Internetportale durch die Netzbetreiber ist dabei sicher eine Möglichkeit wird aber, wie internationale Studien bestätigen, von Jugendlichen durch die sehr guten Computerkenntnisse dieser Generation oft übergangen und kann daher ein Gespräch sicher nicht ersetzten.

Sex im Internet hat aber nicht nur für Jugendliche große Bedeutung, sondern wird auch in die Sexualität von immer mehr Erwachsenen zunehmend als fixer Bestandteil aufgenommen. Das Internet bietet dabei eine Fülle neuer Mölichkeiten und wird zur Anbahnung von Sex genauso genutzt wie für das direkte Ausleben von Sexualtiät mit dem Ziel einen (gemeinsamen) Orgasmus mit einem sich ebenfalls im Internet befindlichen Partner zu erleben.

Ein Kennenlernen im Internet unterscheidet sich stark von Begegnungen im „realen Leben". Im Gegensatz zu Begegnungen im realen Leben, bieten Online-Kontakte die Möglichkeit, schon im Vorfeld von tatsächlich stattfindender Sexualität Wünsche und Vorstellungen abzuklären und zu erfragen. Erleichtert wird das durch die Tatsache, dass durch die Verwendung von Nicknames eine weitgehende Anonymität entsteht und somit die Scham in den Hintergrund tritt. Für viele Internetuser entsteht dadurch ein großes Maß an Freiheit, die Vieles ermöglicht. Eventuelle Zurückweisungen, die eventuell aufgrund unterschiedlicher sexueller Vorlieben entstehen, werden durch das in den Hintergrund Treten der eigenen Persönlichkeit, weniger persönlich genommen. Durch die hohe Anzahl an Usern in den entsprechenden Internetportalen ist auch schnell Trost in einem neuen Partner, der den eigenen Wünschen vielleicht mehr entspricht, gefunden.

Aber nicht nur für die Anbahnung von Sexualkontakten gewinnt das Internet immer mehr an Bedeutung, sondern es wird auch vermehrt zum Ausleben tatsächlich stattfindender Sexualität genutzt. Damit ist aber keineswegs nur die Masturbation zu bildern oder Filmen aus dem Internet gemeint. Sexualität im Internet wird zunehmend mit real anwesenden Partnern in speziellen Chatrooms ausgelebt, wobei jeder der Partner vor dem eigenen PC maturbiert und durch die Kommunikation über Sex ein gemeinsames Erleben entsteht.

Bei dieser Form der Sexualtiät ist, ähnlich dem Kennenlernen über das Internet, die Kommunikation über Wünsche und Vorlieben durch die Anonymität erleichtert. Schon allein die Fülle an potentiellen Sexualpartnern wirkt erregend und stellt in jedem Fall eine narzistische Stärkung dar. Darüber hinaus bietet das Internet die Möglichkeit, verschiedenste Rollen, Identitäten und sexuelle Praktiken zu erproben und sich im Kontakt mit anderen sogar im anderen Geschlecht zu erleben.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Sexualität im Internet den Sex in der realen Begegnung sicher nicht ersetzen wird, sich aber zunehmend als eine neue Spielart von Sexualtiät etabliert.